Um jeden Preis mit dem Landkreis

Vom 7. März bis zum 29. Juni waren wir mit Bus und Bahn unterwegs durch den Landkreis - hier ist unser Reisetagebuch...

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(c)Steven Solbrig

„Mission Hi2025 – Mit Bus und Bahn durch den Landkreis“ war der Titel unserer Landkreistour, die zum Ziel hatte, mit den Kulturakteurinnen und -akteuren und vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, die der Bewerbung positiv, neutral oder skeptisch gegenüberstehen. Unterm Strich legten wir zwischen Anfang März und Ende Juni somit an 17 Tagen und in ca. 90 Stunden rund 753 Kilometer zurück. Bis auf wenige Ausnahmen verkehrten wir den Großteil der Strecke mit Bus und/oder Bahn.

ERKENNTNIS NR. 1:
Man kommt unter der Woche mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegen Abend zwar gut von der Stadt aufs Land, aber umgekehrt bedarf es anderer Vehikel. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Birgit Krauß (Kulturbüro des Landkreises) für ihre Unterstützung bei der Reisevorbereitung und dem aus Mangel an Alternativen immer wieder gerne in Anspruch genommenen Shuttleservice.

Unsere zweistündigen Aufenthalte vor Ort teilten sich meist in zwei Teile: Einen informativen, der die inhaltlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung der Region Hildesheim als Kulturhauptstadt Europas 2025 beinhaltete und einen zweiten Teil, in dem sich alle Anwesenden über die unterschiedlichsten Ideen, Bedenken und Projekte austauschen konnten. Dieser Teil gestaltete sich abhängig von der Größe und Zusammensetzung der Gruppe mal mehr mal weniger lebendig. Teil 1 beinhaltete immer ein kleines Warm-Up, die Meinungsumfrage „Der Landkreis Hildesheim – Rosengarten oder Rübenacker?“, deren Ergebnisse hier in Kürze einsehbar sind.

ERKENNTNIS NR. 2:
Interesse sorgt für mehr Information und mehr Information sorgt für mehr Verständnis. Je deutlicher die Intention und der Entwicklungsprozess, die hinter der Bewerbung stecken, werden, desto besser lässt sich der Wunsch, im Jahr 2025 Kulturhauptstadt Europas zu sein für viele nachvollziehen.

Für Enttäuschung sorgte manchmal die Information, dass die Bewerbungsphase zunächst keine großen Möglichkeiten bietet, sich schon jetzt aktiv zu beteiligen. Es gibt zwar hier und da Veranstaltungsformate, die auf die Bewerbung aufmerksam machen, für mehr Interesse und Verständnis sorgen und das Thema mit Leichtigkeit behandeln, aber große Projekte wie Festivals, Ausstellungen und Co. wird es erst nach erfolgreicher Bewerbung im Jahr 2025 geben. Aktuell besteht die Aufgabe des Projektbüros darin, das Bewerbungsdokument (das sog. Bid-Book) zu schreiben und dafür rund vierzig Fragen zu beantworten, die sich auf die sechs Bewertungskriterien der Jury beziehen.

ERKENNTNIS NR. 3:
Überall begegneten wir Menschen, die sich bereits mit vielen Themen auseinandersetzen, die auch uns im Arbeitsalltag beschäftigen: Welche Rolle spielt Hildesheim in Europa und können wir hier vielleicht kreative Lösungen für europaweit bestehende Probleme finden? Wie bewegen wir uns von A nach B und wie gut sind wir bereits miteinander vernetzt? Wie attraktiv ist das Leben in Hildesheim und der Region und wie können wir es noch attraktiver machen? Warum hat das Wort Provinzialität oft so einen negativen Beigeschmack und wie gehen wir eigentlich mit unserem kulturellen und gesellschaftlichen Erbe um? Der Fragenkatalog ließe sich an dieser Stelle beliebig erweitern.

Um zu unterstreichen, dass jeder Teil der Region eine wichtige Rolle im Bewerbungsprozess spielt, haben wir individuelle Slogans - für jede Landkreiskommune einen - gereimt. Manche Namen waren dabei überaus gut „reimbar“, für die anderen musste etwas tiefer in die Wortspielkiste gegriffen werden. Jede Kommune bekam als Gastgeschenk einen Karton mit Postkarten, die mit ihrem individuellen Spruch bedruckt sind. Inhaltlich beziehen sich diese mal mehr mal weniger auf das kulturelle Potenzial, weisen aber immer auf die Relevanz aller Städte und Gemeinden auf dem Weg zum Titel hin. Die Postkartenmotive sind hier einsehbar.

ERKENNTNIS NR. 4:
Jede Stadt und Gemeinde hat ihre eigene kulturelle Identität und versteht sich als Perle der Region. Diese Perlen sollten wir zu einer Kette zusammenfügen, um das gemeinsame Potenzial bestmöglich und für alle nutzbar zu machen und das Verhältnis zwischen Stadt und Land und Land und Land nachhaltig zu stärken.

An den Gesprächen beteiligt, haben sich u. a. die Bürgermeister/innen bzw. deren Stellvertreter/innen, Ratsfrauen und Ratsherren, Kulturakteurinnen und Akteure, interessierte Bürgerinnen und Bürger, Mitglieder unterschiedlicher Vereine und Verbände, Jugendpfleger/innen und Kita- bzw. Schulleitungen. Auffällig war, dass der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden fast überall bei ü50 lag.        

ERKENNTNIS NR. 5:
Die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 interessiert vor allem diejenigen, die sich auch bisher mehr oder weniger intensiv mit dem kulturellen Leben in und um Hildesheim beschäftigt haben. Unser Ziel muss es daher sein, insbesondere jüngere und kulturfernere Teile der Bevölkerung zu erreichen und die Tragweite des Projekts jenseits des kulturellen Bezugs aufzuzeigen.    

Die 17 Gespräche in Sitzungssälen von Rathäusern, Schulaulas, Eisdielen und Kulturinstitutionen haben uns erneut gezeigt, wie viele Schätze die Region Hildesheim zu bieten hat und dass die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 schon jetzt einen wertvollen Beitrag zum Zusammenwachsen von Stadt und Landkreis leistet. Diese Energie wollen wir nutzen und den Titel gemeinsam nach Hildesheim holen. Ein großes Dankeschön für die vielen tollen Anregungen, Gespräche und Begegnungen. Weiter geht`s!